Besuch zu haben, ist normalerweise etwas besonders Schönes. Da wird der Alltag durchbrochen, und jemand ist plötzlich Teil des Lebens, der oder die es sonst nicht ist. Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind zum Teil sehnsüchtig am Fenster geklebt habe, um zu gucken, wann ein bestimmter Besuch endlich kommt. Besuch erweitert als Gesprächspartner Perspektiven. Ich bekomme Gedanken und Überlegungen in den Blick, die mir ohne den Besuch verschlossen bleiben würden. Besuch bringt menschliche Nähe mit sich. In einer Zeit, in der zunehmend Computer und Smartphones unsere Gegenüber sind, geschieht hier wirkliche Begegnung.
Besuch zu haben, ist aber (manchmal) auch anstrengend. Ein Gästezimmer will vorbereitet werden. Bisweilen muss noch Staub gewischt werden, auf jeden Fall aber das Bett bezogen werden (vorausgesetzt, der Gast bringt nicht einfach eine Isomatte mit). Vielleicht muss ich beim Kochen Besonderheiten bedenken – wahrscheinlich muss ich aber in jedem Fall noch mal extra einkaufen. Es soll ja auch schön sein. Und Besuch zu haben, kostet Zeit. Gerade dann, wenn noch so viel anderes auf der To-Do-Liste steht, kann das dann durchaus schon mal zu Interessenkonflikten führen.
Dass das auch schon früher nicht anders war, lässt sich daran erkennen, dass wir im 1. Petrus-Brief lesen: »Seid gastfrei untereinander ohne Murren.« (1. Petrus 4,9, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). So ganz »ohne Murren« scheint es nicht immer vonstattengegangen zu sein – sonst hätte es ja nicht extra erwähnt werden müssen. Ja, Besuch macht Arbeit. Und doch ist er wertvoll. An anderer Stelle, im Hebräerbrief, ist zu lesen: »Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.« (Hebräer 13,2, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Das heißt ja: Besuch – nicht zuletzt von Menschen, die unseren Glauben teilen – lässt sich auch als ein geistliches Geschehen verstehen. Mit dem Besuch setzt sich Gott selbst immer wieder zu uns an den Tisch, kommt der Herr Jesus und ist unser Gast und segnet, was er uns bescheret hat.
Christoph Barnbrock
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