Vor einigen Tagen machte die Meldung die Runde, dass (nun aber wirklich) die Identität des berühmten Streetart-Künstlers Banksy enthüllt sei. Banksy hatte in den letzten Jahren vor allem in Großbritannien, aber auch in der Ukraine, in Bethlehem (siehe Bild) und auch an vielen anderen Orten der Welt, mal provokante, mal humorvolle, oft jedenfalls zum Nachdenken anregende Streetart geschaffen – aber immer, ohne dabei als Person aufzutreten. Er blieb in gewisser Weise ein Phantom, das sich nicht greifen lässt.

Nun verdichten sich also die Hinweise darauf, wie Banksy heißt, wer er ist, wo er herkommt. Was auf der einen Seite einen journalistischen Coup darstellt, wird auf der anderen Seite unter den Banksy-Fans kritisiert. Seine Anonymität ist Teil des »Gesamtkunstwerks« Banksy. Dass er anonym bleibt oder bisher geblieben ist, macht ihn auf eine gewisse Weise auch unangreifbar. Für seine Kunst, die ja von weniger wohlmeinenden Betrachtern auch als Sachbeschädigung interpretiert werden könnte, kann er erst zur Verantwortung gezogen werden, wenn klar ist, wer er überhaupt ist. Und überhaupt ist es angenehmer, wenn man sich nicht ganz genau zu erkennen gibt, man nicht mit seiner Lebensgeschichten, seinen Macken und Kanten erkennbar wird. Denn dann gibt es womöglich kritische Nachfragen, Stress und Ärger.

Von daher ist es in vielerlei Hinsicht angenehmer, als ein Mysterium im Hintergrund zu bleiben, im Verborgenen die Fäden zu ziehen und zu den Menschen, die einen bewundern oder kritisieren, auf Distanz zu bleiben.

Im Lichte dessen stellt die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus tatsächlich ein bemerkenswertes Ereignis dar. Gott, der es sich deutlich bequemer hätte machen können, indem er im Hintergrund geblieben wäre, wird Mensch. Statt hinter den Kulissen die Fäden der Weltgeschichte zu ziehen, macht er sich identifizierbar, greifbar, riskiert, dass nicht nur seine Fans, sondern auch seine Gegner ihn zu greifen kriegen. Man zieht ihn am Kreuz zur Verantwortung für das, was er getan hat, für das »Gesamtkunstwerk« seiner Liebe zu uns Menschen, für die Erlösung.

Bei Banksy mag man darüber streiten, ob es gut ist, dass seine Identität nun aufgedeckt ist. Ich selbst hätte mich darüber gefreut, wenn das Versteckspiel noch ein wenig weitergegangen wäre. Bei Jesus Christus dagegen ist es ein Geschenk, dass Gott in ihm seine Identität offenbart hat. Und wann immer ich danach frage »Wer ist Gott eigentlich? Wie meint er es mit mir?«, kann ich auf Christus schauen. Und dann weiß ich: Gott ist der »Gott für mich«, der in Liebe zu mir ans Kreuz gegangen ist, der sich für mich identifizierbar gemacht hat, damit ich auf der Suche nach ihm nicht ins Leere greife, sondern ihn finde und mich im Glauben an ihm festhalten kann.

»Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er [Christus] ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.« (1. Timotheus 3,16, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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