Das Thema »Wiederholen« hat keinen sonderlich guten Ruf. Vokabeln wiederholen – langweilig und mühsam. Eine Geschichte, die sich im Kindergottesdienst wiederholt – »Ach, nee! Hatten wir schon!«. Ein Fußballspiel, das ich als Wiederholung schaue, überhaupt nicht mit einem zu vergleichen, das ich live schaue.
Aber da gibt es auch das andere: Wiederholungen müssen unbedingt sein. Ein Silvester ohne »Dinner for one« – undenkbar! Bestimmte Lieder laufen in einer bestimmten Phase auf »repeat«. Nach einer schönen Aktion mit Freunden heißt es beim Verabschieden: »Das müssen wir aber unbedingt mal wiederholen!«
Das Leben in christlichen Glauben hat nicht nur, aber auch mit Wiederholungen zu tun,. Bestimmte Texte, etwa das Vaterunser oder Segensworte wiederholen sich. Sie gehören einfach dazu – wie »Dinner for one« zu Silvester. Gewisse Rituale bleiben über lange Zeiträume hinweg ziemlich stabil und geben so das Gefühl von Beheimatung und Vertrautheit. Sie vermitteln so das Gefühl: Ja, so gehört das – hier bin ich zu Hause!
Und das, was ich wiederhole, prägt dann auch wieder mich: wie ein Song, den ich auf »repeat« höre und der mir dann unwillkürlich zwischendurch in den Sinn kommt, weil er längst zum Ohrwurm geworden ist. So können auch christliche Texte und Lieder, denen ich immer wieder begegne (oder die ich mir sogar ganz bewusst wiederholend aneigne) zu geistlichen ›Ohrwürmern‹ werden, die dann auch mein Leben als Christ prägen.
Eine Glaubende, die in dieser Weise Worte für sich wiederholte und bewahrte, war Maria, von der es nach der Geburt Jesu und dem Besuch der Hirten heißt: »Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.« (Lukas 2,19, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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