In der Nacht von vorgestern zu gestern (Mitteleuropäische Zeit) fand an der Westküste der USA der Super Bowl, das Endspiel der US-amerikanischen National Football League statt. Dieses Ereignis erfreut sich auch in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit, sodass sich Menschen unterschiedlicher Altersstufen die Nacht um die Ohren schlagen, um dieses Megaevent mitzuerleben.
Die Motivation dafür kann dabei ganz unterschiedlich sein: Die einen schauen es vor allem aus sportlichen Gesichtspunkten. Sie wollen wissen, welche Mannschaft (und ob ggf. ihre Lieblingsmannschaft) sich den Titel sichert. Wieder andere sind fasziniert vom Rahmenprogramm. Und wieder eine andere Gruppe schaltet ein, um am nächsten Tag in der Schule oder bei der Arbeit mitreden zu können.
Auch in diesem Jahr hat mich mein Sohn wieder überredet, den Super Bowl zu schauen – auch wenn ›unsere‹ Mannschaft, die Minnesota Vikings, es in diesem Jahr nicht einmal in die Playoffs geschafft hatte. Aber immerhin stand einer der beiden Quarterbacks im letzten Jahr bei den Vikings unter Vertrag. Das reichte schon für die Entscheidung, welcher Mannschaft wir die Daumen drücken wollten (nämlich den am Ende auch siegreichen Seattle Seahawks).
Beim abermaligen Erleben dieser Nachtaktion wurde mir wieder zweierlei deutlich. Zum einen: Wenn Menschen auf etwas Besonderes warten, dann sind sie durchaus auch bereit, die Nacht durchzumachen, um es bloß nicht zu verpassen. Und zum anderen: Ich kann mich noch so sehr bemühen, wach zu bleiben. Irgendwann packt mich (jedenfalls zeitweise) der Schlaf.
Mir kommt dabei Jesu Gleichnis der zehn Jungfrauen in den Sinn (Matthäus 25,1–13), die auf den Bräutigam (im Bild: auf Jesus Christus) warten. Die einen haben Öl genug für die Nacht dabei, die anderen nicht. Was mir auffällt: Auch hier lohnt sich offenbar das Durchmachen der Nacht, auch wenn es (wie übrigens auch jedes Mal in meinem Super Bowl-Erleben) viel länger dauert, als vorher kalkuliert. Und dann erinnere ich oft das Ende das Gleichnis so, dass die klugen Jungfrauen tapfer wach geblieben seien (weil es am Ende auch als Mahnung an die Hörer heißt: »Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.« [Matthäus 25,13, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft]). Aber interessant ist, dass auch die klugen Jungfrauen, die hier als Rolemodel herhalten, einschlafen. (V. 5). Da geht’s ihnen wie mir beim Super Bowl.
Der Unterschied zwischen den Klugen und den nicht so Klugen ist an dieser Stelle, dass die einen Öl für ihre Lampen haben, als es darauf ankommt – und die anderen nicht. Dieses Öl können sie aber nicht aus sich selbst heraus gewinnen, sondern jemand anderes muss es ihnen geben (deswegen versuchen die nicht so Klugen, noch schnell was beim ›Späti‹ zu besorgen, verpassen dann aber das Entscheidende).
Alle schlafen ein. Für mich ist das ein Trost, weil ich um meine Müdigkeit – manchmal auch in Glaubensdingen – weiß und mir ebenfalls bewusst ist, dass ich sie nicht aus eigener Kraft überwinden kann. Aber das, was ich brauche, wenn Jesus Christus wiederkommt, das habe ich, weil Gott selbst es mir gibt und es bleibt – selbst wenn ich vorher eingeschlafen bin. Er füllt die Gefäße meines Glaubens und meiner Christuserwartung immer wieder, wenn ich Gottes Wort lese oder höre oder ich im Gottesdienst im Heiligen Abendmahl ›Tuchfühlung‹ zu Jesus Christus aufnehme.
Ja, ich nicke immer mal wieder weg. Aber zugleich bitte ich Gott darum (und darf gewiss sein, dass er mich hört): Gib mir, was ich brauche an Glauben und an Hoffnung, um Jesus Christus voller Vorfreude zu begegnen.
Christoph Barnbrock
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