Vor einigen Tagen durfte ich wieder einmal eine Fortbildungsveranstaltung für Lektorinnen und Lektoren gestalten und gleichzeitig auch wieder selbst etwas lernen, weil wir auch eine Logopädin und Stimmtherapeutin mit dabei hatten.
Dabei staune ich immer wieder, was für eine beeindruckende Sache das mit der Stimme ist. Mit am meisten fasziniert mich, wie die Stimme so etwas wie ein Spiegel der ganzen Person ist. Wenn ich angespannt bin, hört man das an der Stimme. Wenn ich entspannt bin, wirkt sich das auf die Stimme aus. Wenn ich krumm stehe, ist das auch an der Stimme wahrnehmbar. Wenn ich aufrecht stehe, hat das auch Konsequenzen für meine Stimme.
Etwas zugespitzt ließe sich von daher formulieren: An der Stimme lässt sich ablesen, wer ich bin und wie es mir mit denen geht, mit denen ich zusammen bin.
In der Bibel ist auch immer wieder von der Stimme die Rede, mit am prominentesten vielleicht im Johannesevangelium, wenn Jesus von sich als gutem Hirten redet und der von denen, die an ihn glauben, sagt:
»Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir«. (Johannes 10,27, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Wenn die Stimme etwas von der Person erkennen lässt und davon, wie es ihr mit denen geht, denen sie sich zuwendet, dann ließe sich von dem »Guten Hirten« Jesus sagen: Seine Stimme ist weich und entspannt, weil sich in ihr seine Liebe und Barmherzigkeit ausdrückt. In ihr zeigen sich nicht Anspannung und der Druck, dass die Menschen es doch mit ihrem Leben nach Gottes Geboten endlich mal auf die Reihe bekommen mögen (so wünschenswert das auch wäre), sondern diese Stimme ist voll von Gnade und Zuwendung – wie wir es von Eltern kennen, die ein Kind, das hingefallen ist, trösten.
Ja, diese Stimme kenne ich, und dieser Stimme folge ich, und diesem »Guten Hirten« folge ich, weil ich es gut habe, wo er ist – und das höre ich schon an seiner Stimme.
Christoph Barnbrock
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