Berge und Wolkenkratzer

Wer in den Bergen unterwegs ist, dem kann es schon einmal den Atem verschlagen. So majestätisch und »übermenschlich« können diese Gebirgszüge auf uns wirken. Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass die Menschen in der Antike davon überzeugt waren, dass die Götter auf Bergen wohnten – viele der griechischen Götter etwa auf dem Olymp. Und auch in der Bibel gibt es die Geschichten, in denen Gott zum Beispiel Mose auf einem Berg begegnet.

Heute haben jedenfalls im westlichen Kulturkreis die Berge ihre Bedeutung als Wohnort Gottes (oder gar mehrerer Götter) verloren – auch wenn es manch einen in den Bergen schon einmal packt und der Gedanke sich nahelegt, dass da vielleicht doch jemand ist, der all das geschaffen hat und der viel größer und viel mächtiger ist als du und ich.

An die Stelle der Berge sind heute vielerorts in den Städten Wolkenkratzer getreten. Sie verdanken sich ja nicht nur der Platznot in den Metropolen, sondern es sind nicht zuletzt auch Symbole des Einflusses und der Bedeutsamkeit. Und je höher ein solcher Wolkenkratzer gebaut ist, desto größer die behauptete Macht: Seht her, wir haben das Geld, um solch ein riesiges Gebäude zu bauen. Schaut doch nur, uns ist es gelungen, mit einem Gebäude in Höhen vorzudringen, die bisher für Menschen unerreichbar schienen!

Und tatsächlich tun manche Besitzer solcher Wolkenkratzer (oder Menschen, die in ihnen wichtige Positionen innehaben) so, als wären sie (mindestens kleine) Götter. Dabei gleicht ihr Verhalten aber bisweilen vor allem dem griechischen Götterzirkus, in dem eine Intrige die nächste jagte. Es sind ›Götter‹, die vor allem auf ihren eigenen Vorteil, ihre Ehre und die eigene Macht schielen.

Es gehört zum Kern und zur Besonderheit des christlichen Glaubens, dass Menschen zwar an einen Gott glauben, der Himmel und Erde (inklusive der atemberaubenden Gebirge) geschaffen hat. Aber dieser Gott sitzt nicht irgendwo weit entfernt auf einem Berg, von Wolken umhüllt, oder in einer Chefetage über den Wolken – von uns getrennt durch unzählige Securitymaßnahmen. Und er ist auch nicht vor allem auf seinen Vorteil bedacht. Sondern unser Gott ist Mensch geworden, begegnet uns in Jesus Christus auf Augenhöhe – wird greifbar und nahbar. Ein Gott, der nicht oben bleibt, sondern runterkommt, um uns zu helfen, zu retten und für uns da zu sein.

Zu ihm muss ich nicht erst einen langen, kraftzehrenden Aufstieg unternehmen, bei dem womöglich meine Kräfte versagen und an dem ich scheitere. Sondern er ist zu uns gekommen – und ist nie weiter entfernt als ein Bibelwort oder ein Gebet. So haben wir einen direkten Draht zu ihm: im Hören und im Reden.

»Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.« (Psalm 121,1f., Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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