»Lernen« gehört nicht unbedingt zu den Themen, die bei Jugendlichen in der Schulzeit ganz oben auf der Liste dessen stehen, was als spannend und aufregend gilt. Vielen würde wahrscheinlich eher »langweilig« oder »anstrengend« einfallen. Das hat aber vielleicht eher mit den Lernformaten zu tun, mit Notendruck und Themen, die einen nur mäßig interessieren.
Grundsätzlich ist das Lernen uns Menschen aber in die Wiege gelegt. Kleinkinder wollen laufen lernen. Und viele Spiele – gerade im Kindesalter- sind letztlich Lernspiele. Ich kann nachher etwas besser als vorher. Ich verstehe etwas, was ich vorher noch nicht verstanden habe.
Gerade bei den Forscherinnen und Forschern aller Zeiten muss das doch immer wieder ein unglaubliches Gefühl sein, wenn sie ein Problem, an dem sie lange rumgeknobelt haben, endlich gelöst haben. Was war das etwa für ein Durchbruch, als klar wurde, dass man mit Antibiotika bakterielle Krankheitserreger bekämpfen konnte! Wie viele Menschen verdanken diesem Lerneffekt bis heute ihr Leben!
Nun ist es so, dass die wenigsten Lernprozesse so ausfallen, dass das, was bisher gegolten hat, ab jetzt nicht mehr gilt. Es mag in der Zukunft noch bahnbrechende mathematische Entdeckungen geben, und doch ist es eher unwahrscheinlich, dass 1+1 irgendwann einmal nicht mehr 2 ist. Aber Horizonte erweitern sich durch Neugelerntes, Dinge ordnen sich einander noch einmal neu und anders zu, weitere Möglichkeiten werden erkennbar.
Einen besonders beeindruckenden Lernprozess entdecke ich in der Bibel im 10. Kapitel der Apostelgeschichte. Hier lernt der Apostel Petrus, dass das, was er bisher für richtig und wichtig hielt, nämlich in der Frage, was rein und unrein ist, und wer zu Gott gehört und wer nicht zu Gott gehört, nach dem Tod und der Auferstehung Jesu sich noch einmal neu sortiert. Gott selbst lässt ihn lernen. Petrus muss und kann seine biblisch begründeten Vorbehalte überwinden und sieht die Welt nun in einem ganz anderen Licht. Auch die Heiden sind seine Geschwister im Glauben. Er hat gelernt: Die, um die er bisher aus religiösen Gründen immer einen Bogen gemacht hat, gehören längst schon dazu.
Für Petrus ist solches Lernen ganz sicher »spannend« gewesen – gewiss auch etwas unbequem und herausfordernd. Aber wer mit Gott unterwegs ist, ist mit dem Lernen niemals fertig. Sondern immer wieder schenkt er von Jesus Christus her einen neuen Blick auf die Welt und unsere Mitmenschen. Es bleibt »spannend«!
»Und [Petrus] sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.« (Apostelgeschichte 10,28, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Christoph Barnbrock
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