Kennst du dieses Gefühl auch? – Wenn ich nach einer längeren Reise nach Hause komme, fühlen sich die Wohnräume, in denen wir leben für einen Moment fremd an. Selbst wenn in der Zwischenzeit niemand diese Räume betreten hat und ich alles so vorfinde, wie ich es zurückgelassen habe, stellt sich das Gefühl des »Zu-Hause-Seins« noch nicht unmittelbar ein. Es ist, als wäre alles um einen Hauch verrückt und müsste erst wieder an seinen richtigen Platz zurückgerückt werden. Nach ein, zwei Stunden hat sich dieses Gefühl dann wieder verflüchtigt, und alles fühlt sich vertraut und normal an.
Woran das wohl liegt? Daran, dass ich auf Reisen jedenfalls ein wenig ein anderer geworden bin? Daran, dass ich vergessen habe, wie mein Zuhause genau aussieht?
So gesehen ist die Heimkehr immer auch ein Wagnis. Passen – im Bild gesprochen – die Schuhe noch, die ich zurückgelassen habe? Finde ich zu Hause tatsächlich mein Zuhause wieder oder muss ich mir eingestehen, dass mir der Sehnsuchtsort der Heimat fremd geworden ist und ich letztlich heimatlos geworden bin?
In der Bibel gibt es eine ganze Reihe von Geschichten, die davon erzählen, dass Menschen freiwillig oder unfreiwillig ihre Heimat verlassen oder auch nach kürzerer oder längerer Zeit in ihre Heimat zurückkehren. Eine dieser Geschichten ist die von Nehemia, der nach Jerusalem zurückkehrt, nachdem die Stadt zerstört worden war und größere Teile des Volkes nach Babylon weggeführt worden waren. Und nun ist nach Jahrzehnten Heimkehr möglich. Aber die Heimat, die Nehemia nun vorfindet, sieht ganz und gar nicht wie die Heimat aus, nach der sich die Menschen zurücksehnten. Jerusalem, die Stadt der Sehnsucht, liegt in Trümmern:
»Und ich [Nehemia] sprach zu ihnen: Ihr seht das Unglück, in dem wir sind, dass Jerusalem wüst liegt und seine Tore mit Feuer verbrannt sind.« (Nehemia 2,17, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Die Heimat scheint verloren zu sein. Und doch geben Nehemia und seine Zeitgenossen nicht auf: »Kommt, lasst uns die Mauern Jerusalems wieder aufbauen, dass wir nicht weiter ein Gespött seien!« (Nehemia 2,17). Die verlorene Heimat soll wieder zur Heimat werden – und warum?
»[…] ich sagte ihnen, wie gut die Hand meines Gottes über mir war […]. Und sie sprachen: Auf, lasst uns bauen! Und sie stärkten ihre Hände zum guten Werk.« (Nehemia 2,18).
Aus dem Vertrauen heraus, dass Gott es gut mit ihnen meint, gehen die Menschen hier ans Werk. Das, was kaputt ist, wird wieder aufgebaut. Die Heimat, die verloren ist, wird zurückgewonnen. Mit Gott wird die alte Heimat zur neuen Heimat.
Christoph Barnbrock
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