Zahnarztlektionen: Konsequenzen

Einer der Orte, an denen ich jenseits von Kirchen und Gemeindehäusern am meisten über geistliche Fragen nachdenke, ist die Zahnarztpraxis meines Vertrauens. Regelmäßig bin ich da zur Prophylaxe, zur Zahnreinigung oder eben dann, wenn Not am Mann ist und irgendwo etwas zu reparieren ist.

Von allen Gelegenheiten bringt die Zahnreinigung die größten Herausforderungen mit sich – weniger, weil es schmerzhaft wäre oder körperlich unangenehm (das nur sehr begrenzt), sondern vor allem, weil ich mich da ungeschminkt meinen eigenen Versäumnissen stellen muss. »Wie war das mit der Zahnseide?« – »Naja, schon immer mal wieder…« – »Das müssten Sie schon etwas regelmäßiger machen.« – »Ja, weiß ich…« – »Und diese Übergangsstellen, da müssten Sie auch etwas mehr investieren.« »Ja, weiß ich…«

Seit etlichen Besuchen bei der Zahnreinigung weiß ich, dass es gar keinen Zweck hat, hier etwas vorzuspielen, was nicht stimmt. Bestimmte Verhaltensweisen (oder Nicht-Verhaltensweisen) bringen eben bestimmte Konsequenzen mit sich. Und was ich getan habe oder nicht getan habe, kommt unübersehbar ans Licht. Und Schönreden, Das-Gegenteil-Behaupten oder Abstreiten hilft da gar nicht. Es liegt ja doch alles auf der Hand (bzw. im Mund).

Wahrscheinlich denke ich selten so intensiv über das Jüngste Gericht nach wie da auf dem Zahnarztstuhl. Denn die Parallelen sind ja offensichtlich: Was ich tue oder eben auch nicht tue (aus welchen Gründen auch immer) wird sich zeigen. Mein Handeln oder Nicht-Handeln hat eben Konsequenzen – und es wäre dann auch albern, das dann abzustreiten, das Gegenteil zu behaupten oder irgendetwas schönzureden. Es wird ja doch alles völlig klar auf dem Tisch liegen. Erträglich ist das Ganze für mich nur deswegen, weil die Zahnreinigungskraft – trotz allem Ernst der Lage – ausgesprochen freundlich mit mir umgeht.

Wenn ich einmal für mein Leben Rechenschaft werde ablegen müssen, dann wäre auch da einiges zu nennen, was ich getan habe, was ich nicht hätte tun sollen, und einiges, was ich bleiben gelassen habe, wo ich dringend hätte aktiv werden sollen. Aber noch bevor all das im Einzelnen auf den Tisch kommt, tritt ebenfalls jemand freundlich an meine Seite: Jesus Christus. Und der sagt: »Das müssen wir jetzt gar nicht alles im Einzelnen hören. Die Konsequenzen habe ich getragen. Jetzt ist alles gut.« Und dann wird nicht nur die peinliche Befragung enden, sondern das, was durch mein Versagen kaputtgegangen ist, wird wieder heil werden. Was für wunderbare Aussichten!

»Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse. […] Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.« (2. Korinther 5,10.19, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Christoph Barnbrock


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