Einer der Momente aus meiner Jugend, an die ich mich noch besonders gut erinnern kann, ist folgender: Ein Freund sagte mir, dass jemand jetzt nicht mehr zum Jugendkreis komme, weil er oder sie (ich weiß es nicht mehr) mich unsympathisch oder arrogant oder sonst wie nicht besonders »nett« fände. Nun kann man darüber streiten, ob das ein guter Grund ist, nicht mehr zu einer Jugendgruppe zu kommen – und ob das von besonders viel Fingerspitzengefühl zeugte, dass mir mein Freund das damals einigermaßen ungeschützt untergejubelt hat. Aber darum geht’s hier nicht.
Aus der Schule war ich das gewohnt, irgendwie auch ein Außenseiter zu sein – aber in der kirchlichen Jugendarbeit war ich gefühlt mittendrin. Umso mehr traf mich das zu hören, dass jemand gerade hier mit mir so überhaupt nicht klarkam. Gar nicht so einfach damit umzugehen, wenn man hört, dass ein Gegenüber einen nicht nett, freundlich und sympathisch findet, sondern arrogant und unsympathisch. Puh …
Inzwischen habe ich gelernt, dass es einfach so ist, dass man die einen Menschen sympathischer und die anderen unsympathischer findet und dass manchmal auch die Macken des oder der einen genau die wunden Stellen (re-)aktivieren, die jemand ganz anderes aufgerissen hat, und dass sich also von daher die ablehnende Reaktion erklärt. Und ja, natürlich gehört auch das dazu, mir einzugestehen, dass ich manchmal auch einfach unsensibel, tollpatschig und lieblos unterwegs bin – und mein Gegenüber einiges Recht hat, mich unsympathisch zu finden.
Mich hat das damals auch deswegen so getroffen, weil diese Rückmeldung eine ganz grundsätzliche Frage aufgeworfen hat: Bin ich denn eigentlich liebenswert? Denken vielleicht alle anderen genauso wie diese eine Person, die das so gesagt hat? Und wie schlimm, wenn es so wäre. Ich – ein ungeliebter, womöglich sogar nicht liebbarer Mensch.
Ich glaube, in diesem Moment war ich besonders nah dran an dem Empfinden der Zöllner, die im Neuen Testament beschrieben werden. Das mussten sie gar nicht von ihren Freunden erzählt bekommen – das wussten sie auch so, dass die meisten anderen sie unsympathisch fanden, arrogant und ungerecht. Menschen, die nicht liebenswert waren.
Und gerade ihnen wendet sich Jesus mehrfach zu. Er sieht sie und will mit ihnen zu tun haben und macht ihnen damit deutlich: Ihr seid wertvoll. Ihr seid liebenswert. Wie wohltuend und wie befreiend!
»Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.« (Lukas 19,5, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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