Ich bin mit dem Auto unterwegs und höre ausnahmsweise mal Radio und nicht eine meiner Playlists. HR 1. Hey, denke ich, die spielen da ja richtig gute Musik. Komisch, wie sich das verändert hat. Früher gab es da nur Musik für alte Menschen. … Okay … Nun ja, heute anscheinend auch.
Der Moderator kündigt die Toten Hosen an. »Paradies« von ihrem Album »Opium fürs Volk»«. Das erschien nämlich am 26. Januar 1996, also heute vor genau dreißig Jahren. Das Gefühl, alt zu sein, verstärkt sich noch etwas.
Erinnerungen an die Platte kommen hoch. Die Toten Hosen setzten sich auf ihre provokante und herausfordernde Art mit der Beziehung Mensch – Gott auseinander. Vieles wurde hinterfragt, natürlich besonders die Gebote, und schließlich kommen die Toten Hosen zu dem Schluss: »Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dahin so schwierig ist«.
Ich hab die Jahreslosung noch im Ohr: »Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu« (Offenbarung 21,5, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft), und denke spontan: »Häh, doch! Doch will ich. Ich will ins Paradies! Und, wenn ich mir angucke, was uns da erwartet, dann sowieso. Ich glaube, ich würde auch unbedingt ins Paradies wollen, wenn ich nicht an Gott glauben würde. Das ist so viel besser als alles andere.«
Ich mach das Radio lauter, um den Text besser zu verstehen. In meiner Erinnerung geht es in dem Lied um die Gebote und dass wir sie zu befolgen haben, um ins Paradies zu kommen. Und genau das war den Toten Hosen zu schwierig und anspruchsvoll. Und deshalb wollen sie nicht ins Paradies, sondern lieber hierbleiben.
Die Gebote halten, um in den Himmel zu kommen. Wirklich? Dafür haben wir sie?
Ich liebe meinen Gott und besonders auch seinen Humor. Meine tägliche Bibellese für heute, den 26. Januar, steht im 5. Buch Mose im 6. Kapitel. Das Volk Israel steht an der Grenze zum gelobten Land, kann es schon sehen. Mose spricht zu den Menschen und mittendrin heißt es:
»Vielleicht wird dich dein Kind einmal fragen: was soll das alles? Diese ganzen Vorschriften, Gebote und Bestimmungen? Warum hat der Herr unser Gott sie uns befohlen? Wenn dein Kind dich so fragt, sollst du ihm antworten: […] Dann wird es uns immer gutgehen und er wird uns am Leben erhalten wie heute.« (5. Mose 6,20–24, BasisBibel, © Dt. Bibelgesellschaft)
Es geht hier gar nicht um den Himmel oder das Paradies oder so. Es geht um das Leben hier auf der Erde. Und es geht um »uns«, Plural. Es geht nicht um die »Ichs« auf dieser Welt, es geht um das »uns«.
Gott liebt uns! Und deshalb will er, dass es uns allen gut geht. Ja, natürlich dann auch im Paradies, aber vor allem auch jetzt schon. Er liebt uns und will, dass es jedem Einzelnen von uns gut geht.
Dafür sind die Gebote da. Dass wir den anderen im Blick haben und wir darauf achten, dass es ihm gut geht. Wenn uns das gelingen würde, wären wir dem gelobten Land schon genauso nah, wie das Volk Israel damals in der Wüste. Sehen können wir es schon! Wir brauchen nur noch einen »kleinen« Schritt zu machen.
So einfach ist das? Ist es ja leider dann doch nicht und das merken wir oft genug. Dann haben die Toten Hosen wohl doch recht?
Das Lied ist inzwischen zu Ende und ich bin überrascht. Überrascht und enttäuscht. Ich hatte den Text ganz anders in Erinnerung. Das ist schon vieles sehr komisch. Und es geht auch gar nicht um Gebote! Es geht um »gerade sitzen«, »mit Messer und Gabel essen«, »geputzte Schuhe haben«. Das sollen wir machen, um in den Himmel zu kommen. Echt jetzt? Wie kann man das so hoch hängen? Als ob Gott das wichtig wäre! Oder anderen.
Es wird uns immer gutgehen und er wird uns am Leben erhalten wie heute! Das ist Gott wichtig. So wichtig, dass er diesen »kleinen« Schritt, den wir nicht schaffen, für uns gegangen ist. Er hat uns vorgelebt, wie dieses Paradies auf Erden aussehen kann. Und er hat mit seinem Tod den Weg ins gelobte Land für uns frei gemacht.
Ja, ich will ins Paradies, weil der Weg dahin für mich, für uns jetzt so einfach ist! Gott sei Dank!
Karsten Schreiner
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