Wenn es um Künstliche Intelligenz (KI) geht, dann steht im Normalfall ihre beeindruckende Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Es scheint kaum etwas zu gaben, was sie nicht kann. Und angesichts dessen, wird die Frage immer drängender: Wozu ist eigentlich nur der Mensch eigentlich fähig? Wozu ist nur er in der Lage – und die KI (noch) nicht?
Üblicherweise werden an dieser Stelle besondere Stärken menschlicher Fähigkeiten herausgehoben: Echte Kreativität etwa, Intuition, Einfühlungsvermögen, komplexe Problemlösung in unvorhergesehenen Situationen oder Nuancierungen. Na, immerhin etwas!
Vor einer Weile habe ich einen Artikel von Donovan Riley gelesen, der noch eine weitere Perspektive aufgetan hat: Dass nämlich vielleicht gerade das, was uns im Menschlichen mühsam erscheint, eine besondere Stärke darstellen könnte.
Langsamkeit etwa – in vielen Bereichen ein echter Wettbewerbsnachteil gegenüber der KI, manchmal auch nervtötend. Und doch gibt es Bereiche, in denen ich Geduld bewahren muss, damit etwas wachsen und reifen kann: etwa in der Landwirtschaft, wo das Getreide auf den Feldern wachsen muss und ich den Prozess nicht dadurch beschleunigen kann, dass ich an den ersten Halmen schon mal ziehe, um sie vermeintlich schneller wachsen zu lassen.
Mit Rückschlägen umgehen – das ist nicht schön, das wünschen sich auch die wenigsten. Und die KI schert sich nicht darum, ob sie Fehler macht oder nicht. Und trotzdem formt gerade das auch unseren Charakter, hilft uns vielleicht auch gnädig mit denen umzugehen, die ebenfalls scheitern.
Ja, vielleicht ist es gerade das Langsame und Unvollendete, was auf längere Sicht das Besondere und das Wertvolle menschlichen Lebens ausmachen wird. Der genannte Artikel von Riley schließt mit den Worten (in eigener Übersetzung):
»Sie [= die Kirche] ist die Braut Christi. Noch immer im Entstehen begriffen, noch immer reifend, noch immer voller langsamer Wunder.
Und um derer willen, die die frohe Botschaft noch nicht gehört haben, lasst es [in ihr] langsam zugehen. Lasst es wahr sein. Lasst es Leib Christi sein: blutig, wild, real.«
»Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.« (2. Korinther 1,6, Lutherübersetzung, © Dt. Bibelgesellschaft)
Christoph Barnbrock
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