Zu Weihnachten haben wir das Buch »Das ist das Leben« der französischen Soziologin Françoise Héritier geschenkt bekommen. In briefartigem Stil trägt sie dabei Aspekte des Lebens zusammen, die das Leben so lebenswert machen.
Dabei erzielt das Buch dadurch seine Wirkung, dass es kleine Momente des Glücks in Worte fasst und damit überhaupt erst über die Wahrnehmungsschwelle hebt. »Einen Schlüsselbund in die Luft werfen.« (24). Ja, darauf muss man erst einmal kommen, dass das ein kleiner, glücksgefüllter Moment sein könnte. Aber jetzt, wo sie es so schreibt: Stimmt – ich kann das Gefühl nachempfinden. Und ich sollte es mal wieder tun!
Das andere, was die Wirkung des Buches ausmacht, ist die wahrzunehmende Überfülle dessen, was sich, wenn man denn erst einmal hinschaut, an Glück in einem Leben finden lässt. Fast jede Zeile enthält einen möglichen Glücksmoment – oder vielleicht ist »Glück« auch nur bedingt das richtige Wort – vielleicht ist es eher »erfülltes Leben«. So lese ich vom Wert des »Mittagsschlaf[s] im Schatten« (15), nehme ich wahr, dass es etwas Besonderes sein kann, »[t]raurig [zu] werden, weil die Kieselsteine beim Trocknen ihre schönen Farben verlieren« (41), oder ich kann das ehrfürchtige Staunen der Autorin nachempfinden, wenn sie ihrer Liste anfügt: »Von Weitem den Kilimandscharo oder den Fujiyama sehen.« (31)
Und so mischen sich in den nahezu unbegrenzten Aufzählungen ganz kleine Glücksmomente mit den Erfahrungen, die viele Menschen – wenn überhaupt – nur einmal in ihrem Leben machen. Und gerade weil alles so bunt miteinander gemischt ist, wird umso deutlicher: Am Ende kommt es nicht auf das eine beeindruckende Erlebnis in meinem Leben an, das mich dann womöglich glücklich macht. Sondern ich erkenne: Das erfüllte Leben, das Lebensglück, das Gute wohnen auch in den vielen kleinen Möglichkeiten, die ich jederzeit habe.
Ohne jetzt das Schwere im Leben kleinreden zu wollen, lässt mich dieses Buch doch entdecken, in wie vielen Details ich im Leben beschenkt bin, wie reich es ist, was es für ein Privileg ist zu leben. Und zugleich nehme ich wahr, dass ich allzu oft Tomaten auf den Augen habe und nicht entdecke, wie schön die vielen kleinen Momente des Lebens sind.
Als Christ kann ich in all dem etwas von Gottes verspielter und liebevoller Kreativität entdecken, in der er diese Welt und mich und mein Leben geschaffen hat. Über die (scheinbar) großen Sorgen übersehe ich so schnell die vielen kleinen und großen Glücksmomente erfüllten Lebens.
Es ist vielleicht mal wieder Zeit dafür, mich von Jesus Christus selbst an die Schönheit im Kleinen und Unscheinbaren erinnern zu lassen: »Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.« (Matthäus 6,28f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft). Und wenn ich mit der Dankbarkeit über die Pracht und Schönheit der Lilien fertig bin, die Gott so schön gekleidet hat, mache ich einfach im dankbaren Staunen über all das weiter, was Françoise Héritier in ihrem Buch benennt.
Christoph Barnbrock
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