Erzwungener Frieden?

Da sitzt er auf einmal wie ein kleiner Junge.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ist eigentlich ein sehr mächtiger Mann. Obwohl seine Politik im eigenen Land tief umstritten ist, mussten selbst Netanjahus Kritiker zugeben, dass er im letzten Jahr außergewöhnliche außenpolitische Erfolge errungen hat. Nach dem brutalen Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 befand sich Israel in einer tiefen Krise. Doch in den darauffolgenden Monaten wendete sich das Blatt: Die Hamas im Gazastreifen wurde enorm geschwächt, die Hisbollah im Libanon weitgehend neutralisiert und selbst der gefürchtete Iran konnte den israelischen Luftangriffen nichts entgegensetzen.

Aber dann machte Netanjahu einen strategischen Fehler. Als im September 2025 Israel in Katar einen Militärschlag gegen das Verhandlungsteam der Hamas durchführte, kippte die öffentliche Meinung. Selbst Israels Bündnispartner sagten öffentlich, dass Israel dieses Mal zu weit gegangen war. Der US-amerikanische Präsident Donald Trump bestellte Netanjahu nach Washington ein.

Dort entstand ein Foto, das um die Welt ging: Wie ein kleiner Junge sitzt Netanjahu mit einem Telefonhörer am Ohr neben Trump, um sich bei den katarischen Offiziellen zu entschuldigen. Trump hält dabei das Telefon und schaut wie ein strenger Vater, der seinen Sohn zwingt, sich mit dessen Kindergartenfreund wieder zu vertragen. Die ganze Situation wirkte ziemlich skurril. Trotzdem hatte das Foto eine weitreichende Wirkung. Dieser Anruf war der nötige Schritt, dass auf Drängen der USA endlich ein Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel vereinbart werden konnte. So wurde das Bild, wie Trump Netanjahu zum Frieden zwingt, zu einem der Momente des Jahres 2025.

Beim Betrachten dieses Fotos kam mir der Gedanke: Wie anders ist es, wenn Gott Frieden macht! Gott muss nicht dazu gezwungen werden, wie ein trotziges Kleinkind, das sich zwar entschuldigt, aber im nächsten Moment gleich wieder die Zunge herausstreckt. Und Gott zwingt auch uns nicht. Er agiert nicht wie ein gestresster Familienvater, der so lange schimpft und Druck macht, bis die Kinder schweren Herzens nachgeben. Stattdessen ist Gott bereit, für den Frieden ein enormes Opfer zu bringen. Er macht sich freiwillig ganz schwach – zuerst in der Krippe und dann am Kreuz. Er greift nicht nur zum Telefon, sondern kommt selbst. Er lässt nicht die Muskeln spielen, sondern lässt seine Hände von Nägeln durchbohren. Das alles nimmt er auf sich, um mit uns Frieden zu schließen. Und das, obwohl wir ziemlich oft wie störrische Kinder sind, die ihm hinter seinem Rücken die Zunge rausstrecken. Trotzdem macht Gott sich freiwillig schwach, um Frieden zu schließen. Wie stark!

»Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in Jesus Christus wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.« (Kolosser 1,19, Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).

Simon Volkmar


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