Es ist erstaunlich, dass die Bibel eines der Bücher ist, die in Geschichte und Gegenwart am meisten zensiert worden ist und noch zensiert wird. In einem Land, in dem Bibeln in so ziemlich jedem Format, unzähligen Übersetzungen, digital und als Buch, als Hörbuch, als Videoclips und und und zugänglich sind, ist das kaum zu glauben.
Und in einem Land, in dem vielen beim Griff zur Bibel nur noch das Stichwort »langweilig« einfällt, erscheint das mit mit der Zensur noch einmal besonders überraschend. Dieser alte Schmöker soll verboten werden? Warum denn das?
Nun bin ich weit davon entfernt, allein aus der Zensur der Bibel ihren Wert abzuleiten. Es gibt schließlich auch richtig schlechte Bücher, die zensiert wurden und werden, Adolf Hitlers »Mein Kampf« etwa. Und doch weckt die Zensur bisweilen mein Interesse. Ich lese etwa, dass neben der Bibel George Orwells »1984« in unterschiedlichsten politischen Systemen verboten war und ist. Und ich denke: Wow, das muss man auch erst mal schaffen! Und: Eigentlich müsste ich das mal wieder lesen!
Für mich ist die Bibel seit Jahrzehnten ein wertvoller Wegbegleiter. Ich vertraue darauf, dass ich in ihr Gottes Stimme höre, mein Glauben hier Halt gewinnt und ich Orientierung für mein Leben gewinne. Das hat oft etwas sehr Vertrautes, etwas Beständiges und Unaufgeregtes. Vielleicht wäre angesichts dessen auch das einmal eine hilfreiche Leitfrage für die Bibellektüre: Was ist eigentlich die Befreiungsbotschaft in diesem Bibelwort, die ein autoritäres Regime dazu bringen könnte, die Bibel wegen dieser Stelle zu verbieten? Allemal wäre es eine Erinnerung daran, dass in der Bibel doch mehr steckt, als es auf den ersten Blick für manche scheint.
»Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?« (Jeremia 23,29, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
Christoph Barnbrock
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