In diesen Tagen zeigt das Sprengel Museum in Hannover Werke von Niki de Saint Phalle, Yayoi Kusama und Takashi Murakami. Ein Zeitungsbericht gibt einen kleinen Einblick in die Ausstellung, die viele Betrachterinnen und Betrachter begeistert. Im Bericht heißt es am Ende:
»Wer den letzten Raum betritt, findet sich in der Unendlichkeit wieder. Mit einem Spiegelboden, in denen sich die Skulpturen verdoppeln, bekommen die Besucher einen Eindruck davon, was es heißt, keinen Anfang und kein Ende zu kennen.«
Doch der Unendlichkeit wird dann auch das Erleben der Endlichkeit vor Augen gestellt:
»Raus aus der Unendlichkeit erfahren die Besucher, wie es im Inneren von Nikis Skulpturen aussieht. Ihr glitzernder Totenkopf ›Skull‹ wird nicht umsonst ›Meditation Room‹ genannt. Niki lädt nicht nur zum Betreten, sondern auch zum Platznehmen und Philosophieren über Leben und Tod ein. Entstanden ist die Arbeit, als sie sich intensiv mit dem Tod auseinandersetzte – damals nämlich waren einige ihrer Bekannten an Aids gestorben. Umso tröstender die Botschaft, mit der sie die Besucher aus der Ausstellung entlässt. Gleich unter dem ›Exit-Schild‹ hängt ein Bild von ihr mit der Zeile: ›Der Tod existiert nicht, das Leben ist ewig.‹«
Ohne die Ausstellung selbst besucht zu haben, fasziniert mich das Nebeneinander von Unendlichkeitssehnsucht und radikaler Einsicht, dass das Leben endlich ist. Die kühn-provokative Aussage »Der Tod existiert nicht« auf der einen Seite – kombiniert mit Versuchen, die Unbegrenztheit und die Unendlichkeit erlebbar zu machen. Und auf der anderen Seite die Konfrontation mit dem begehbaren Totenkopf. Viel deutlicher kann man die Endlichkeit des eigenen Lebens wohl kaum vor Augen gestellt bekommen.
Aber was denn jetzt: Endlichkeit oder Unendlichkeit? Tod oder ewiges Leben?
Mich erinnert das an scheinbar paradoxe Aussagen aus der Bibel, in denen Leben und Tod auch in einer ganz neuen Weise zusammengehalten werden. Am stärksten zugespitzt vielleicht hier: »Jesus spricht zu [Marta]: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe« (Johannes 11,25, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft).
So wenig wie Niki de Saint Phalle waren dabei die Christinnen und Christen, die diesen Worten als erste Vertrauen schenkten, in einem Unsterblichkeitswahn gefangen. Natürlich wusste die Künstlerin und wusste die frühe christliche Gemeinde um die Realität des Todes. Und trotzdem setzen beide dieser Wirklichkeit ein Trotzwort entgegen – in Niki de Saint Phalles Worten: »Der Tod existiert nicht, das Leben ist ewig.«
Christinnen und Christen können sich diesen scheinbar realitätsfremden Satz tatsächlich zu eigen machen. Sie glauben und hoffen, dass die Macht des Todes durch Jesus Christus gebrochen ist. Wer an ihn glaubt, wird leben – auch wenn er stirbt. So geht der Satz für sie auf: »Der Tod existiert nicht, das Leben ist ewig.« Eine radikale, kraftvolle Hoffnung und Gewissheit – gerade angesichts des Sterbens geliebter Menschen.
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
