In vielerlei Hinsicht agieren wir in unserem Leben absichtsvoll. Wir stellen uns morgens einen Wecker, um rechtzeitig aufzustehen und um dann pünktlich in der Schule, im Hörsaal oder bei der Arbeit zu sein. Wir schreiben E-Mails, um etwas mit anderen zu klären. Wir rufen bei jemandem an, um ihn oder sie um einen Gefallen zu bitten. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen.
Im Reden mit Gott gibt es auch Sprachformen, die jedenfalls den Anschein erwecken, als würden wir reden, um etwas zu erreichen. Da bitten Menschen Gott, um ihn dazu zu bewegen, eine Bitte zu erfüllen. Oder andere klagen Gott ihr Leid, damit er nicht länger über unsre Not hinwegsieht. Oder noch anders: Wir danken Gott für das, was er uns schenkt, damit wir nicht achtlos über diese Gaben hinweggehen und/oder Gott etwas von unserer Freude hört.
Nun ließe sich schon da darüber streiten, ob das »damit« und »um zu« tatsächlich die allerbeste Motivation für Bitte, Dank und Klage Gott gegenüber ist. Aber es gibt auf jeden Fall eine Sprachform des christlichen Glaubens, die nicht in dieses Muster der »Verzweckung« passt: Und das ist das Lob, der absichtslose Jubel, in dem sich einfach das Glück und die Begeisterung Bahn brechen, dass wir es gut haben mit Gott. Ich will mit solchem Lob nichts erreichen, sondern hier dringt einfach absichtslos das an die Oberfläche, was Gott an Liebe und Vertrauen ihm gegenüber in mich hineingelegt hat.
Eins meiner liebsten Loblieder ist »Cantarei ao Senhor« aus der Kommunität von Taizé, übersetzt in etwa: »Ich werde dem Herrn singen, solange ich lebe, / ich werde meinen Gott preisen, solange ich existiere, / in ihm finde ich meine Freude.«
Faszinierend finde ich daran, dass in jeder Wiederholung wieder neu der Jubel anschwillt und zum Ende hin wieder ruhiger, etwas zurückhaltender wird. Denn auch das ist ja wahr: Im Leben mit Gott gibt es die Zeiten, wo ich meine Freude einfach so herausschreien möchte, und dann auch wieder solche Tage und Wochen, in denen Freude und Jubel nicht verschwunden sind, aber doch zurückhaltender werden – weil sich anderes auch noch auf die Seele und das Herz legt.
Und gleichzeitig kann ich selbst, wenn mein Jubel verhaltener und ruhiger ist, einstimmen in den Jubel der anderen. Ihre Stimmen tragen mich und mein Lob, reißen mich manchmal auch mit. Und in anderen Zeiten wird es mein Lob sein, das andere trägt, wenn es ihnen schwer fällt, absichtslos zu jubeln.
»Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.« (Psalm 104,33, Lutherübersetzung 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Christoph Barnbrock
Entdecke mehr von Team Gott
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
