Vor einiger Zeit sprach mich eine Person nach einem Vertretungsgottesdienst an: »Es war so schön, dass Sie bei der Predigt so fröhlich geguckt haben!« Das hat mich zunächst einmal überrascht. Zum einen deswegen, weil ich mir normalerweise keine großen Gedanken machen, wie ich gucke, wenn ich predige. Und zum anderen, weil es ja eigentlich auch nicht besonders bemerkenswert sein sollte, dass Menschen, die die frohe Botschaft, das Evangelium, verkündigen, fröhlich gucken.
Aber natürlich weiß ich auch, dass das – trotzdem – nicht selbstverständlich ist. Und ich selbst neige auch eher zum Grübeln, zu einem (selbst-)kritischen Nachdenken. Und die Falten auf meiner Stirn sind da ja schließlich nicht zufällig gelandet. Menschen, die mit einem Dauergrinsen im Gesicht, durch die Welt laufen – egal, ob es passt oder nicht – sind mir dagegen auch eher suspekt.
Vom Pfarrerssohn und späteren Religionskritiker Friedrich Nietzsche wird das Zitat überliefert »Erlöster müssten mir die Christen aussehen […], wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.« Das ist mir in dieser Allgemeinheit etwas zu platt ausgedrückt. Und es wäre schlimm, wenn der Glauben anderer daran hängen würde, wie fröhlich und erlöst ich »aussehe« oder auch nicht. Und trotzdem ist da was dran.
Wenn Menschen auf Christinnen und Christen oder christliche Gemeinden treffen und den Eindruck haben, dass hier ein Geist der Enge herrscht, dass man zum Lachen besser in den Keller geht und es hier vor allem todernst zugeht, dann ist – mit Verlaub – etwas verkehrt.
»Finstere Gesichter« passen nicht zum christlichen Glauben. Denn Gott selbst leuchtet uns mit seinem Angesicht gnädig und liebevoll entgegen. So lässt es sich jeden Sonntag beim Segen im Gottesdienst hören (und vielleicht sogar erleben). Wie schön, wenn etwas von diesem Strahlen, dieser Menschenfreundlichkeit auch auf unseren Gesichtern zu sehen ist – vielleicht nicht immer, aber doch immer wieder.
»[D]er HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig«. (4. Mose 6,25, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)
Christoph Barnbrock
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