Gott ist kein Stofftier

Für Kinder sind Stofftiere manchmal unglaublich wichtig. Der Lieblingsteddy muss immer dabei sein. Ohne den Stofftierfrosch wird das mit dem Einschlafen nichts. Mit dem Stofftier im Arm stellt sich der Eindruck ein, dass die Welt in Ordnung ist. Und auch für ältere Menschen, Demenzpatienten etwa, können Stofftiere neu an Bedeutung gewinnen.

Einer, der immer dabei sein muss. Der, mit dem es sich gut einschlafen lässt. Wenn ich ihn bei mir habe, ist die Welt in Ordnung. Einer, der in allen Phasen des Lebens eine große Bedeutung hat. So abwegig ist es dann gar nicht, bei all dem irgendwie auch an Gott zu denken.

In einem Buch las ich letztens von der »Verstofftierung Gottes« (Ralf Frisch, Gott, Zürich 2023, 89). Das war allerdings weniger positiv gemeint. Sondern im Blick war dabei, dass Gott in unserer Zeit und unserer Vorstellung häufig zu einer Art Stofftier zusammenschrumpft. In der Kindheit hat man es gebraucht. Aber jetzt liegt es irgendwo lieblos weggeräumt auf dem Dachboden. Es ist knuffig anzusehen, aber irgendwie auch zu harmlos, um wahr zu sein. Der Teddy mit seinen braunen Augen und seinem ewig freundlichen Blick.

Spätestens wenn wir Jugendliche werden, verlieren die Stofftiere auch deswegen an Bedeutung, weil wir auf Austausch aus sind, weil uns interessiert, was der oder die andere zu sagen hat. Wir lassen uns auch in Frage stellen. Und wir kriegen eine Ahnung davon, dass unser Gegenüber immer auch eine »fremde Welt« ist und es sich lohnt, diese zu erkunden. Ein Teddybär-Gott, der uns bei allem, was wir tun, einfach nur still und freundlich anlächelt, ist auf Dauer zu wenig.

In der Bibel lese ich immer wieder auch von einem Gott, der ganz anders ist, als ich mir das vorstellen kann: Mächtiger und größer, kaum zu fassen – und dann in Christus auch in erstaunlicher Schwachheit (auch das nichts, was sich gleich auf den ersten Blick erschließt). Diese andere Seite Gottes habe ich gerade auch in den Worship-Liedern unserer Zeit neu kennengelernt, etwa:

So möchte ich am Ende beides zusammenhalten: Dass Gott so verlässlich für mich da ist und mir Sicherheit und Geborgenheit schenkt – ja in einem weiteren Sinn durchaus damit vergleichbar, wie ein kleines Kind ein Kuscheltier wahrnimmt, an dem es sich in Momenten der Angst und Unsicherheit festhält. Aber eben auch und vor allem dies: Dass Gott eben kein Stofftier ist, sondern ein Gegenüber, das mich immer wieder in Erstaunen versetzt, dem ich auch voller Respekt begegne, das ich nicht immer in allem ergründen kann, das mir manchmal auch fremd ist. Und doch bleibt in alledem vor allem dies, dass Gott mir in seiner Allmacht und Herrlichkeit doch liebevoll und freundlich zugewandt ist und dass er, wenn es darauf ankommt, wesentlich aktiver an meiner Seite ist als ein Teddy, der kraft- und tatenlos in der Ecke liegt.

Das ist aber dann allemal ein Grund zu singen und Gott zu loben – zum Beispiel mit einem Lied wie »Awesome God«.

»Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke! Er schaut die Erde an, so bebt sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie. Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.« (Psalm 104,31-33, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)

Christoph Barnbrock


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