Glauben reicht nicht?

Auf Instagram folge ich dem Profil »Fußball mit Vision«. In diesem Profil wird erkennbar, welche Profifußballer Christen sind und für ihren Glauben einstehen. In einer Welt, in der der christliche Glaube auf dem Rückzug zu sein scheint, ist das ja eine schöne Sache wahrzunehmen, dass manch einer von denen, die in den großen Stadien bejubelt werden, ihre Kraft aus dem christlichen Glauben ziehen.

Neulich stieß ich auf einen Post dieses Profils, auf dem in der oberen Bildhälfte eine Person auf einer leeren Tribüne zu sehen ist mit der Unterschrift »Ich folge Jesus nach.« Und in der unteren Bildhälfte war eine volle Tribüne zu sehen mit der Unterschrift »Ich glaube an Jesus.« Der Eindruck, der erweckt werden soll, ist ganz offensichtlich, dass viele Menschen zwar glauben, aber nur wenige Menschen ›richtig‹ Christus nachfolgen. Und entsprechend heißt es im Text zu dem Post: »Viele Menschen glauben an Jesus. Aber Jesus ruft uns dazu auf, mehr zu tun als zu glauben. Er fordert uns auf, unser Kreuz auf uns zu nehmen und ihm nachzufolgen – egal, was es kostet.«

Nun ahne ich, was das Anliegen der Seitenbetreiber ist. Ganz offensichtlich geht es ihnen darum, darauf aufmerksam zu machen, dass der Glaube auch Konsequenzen für den Alltag hat, dass es nicht immer leicht ist, als Christ oder Christin zu leben, dass das »Ich glaube« auch schnell dahergesagt sein kann kann, ohne dass die betroffene Person glaubt.

Trotzdem finde ich sowohl das Bild als auch die Bildunterschrift mindestens unglücklich. Denn beides weckt den Eindruck, als ob »Glauben« eine Art defizitäre Vorstufe des Eigentlichen wäre, worum es im christlichen Leben, in der Beziehung zu Gott geht. Der Fokus wird ganz darauf gelegt, dass ich »mehr tun« muss »als zu glauben«. Und natürlich bringt das Leben als Christenmensch mehr mit sich als den Glauben. Selbstverständlich bin ich in unterschiedlichen Lebensbereichen dazu herausgefordert, auch etwas zu tun: mich meinen Mitmenschen liebevoll zuzuwenden, die Aufgaben verantwortlich wahrzunehmen, vor die ich gestellt bin, gegebenenfalls auch zu meinem Glauben zu stehen.

Aber all das ist im Kern doch nichts, was vor Gott zum Glauben dazukommen muss, damit das ›echte‹ Christsein erreicht wird. Sondern im Verhältnis zu Gott genügt der Glaube tatsächlich ganz und gar. Keine Ergänzung ist nötig. Und das ist nicht zuletzt dann von Bedeutung, wenn im Leben die selbstkritischen Fragen Überhand gewinnen: »Hast du wirklich genug getan? Bist du überhaupt ein richtiger Christ, eine echte Christin? Ist dein Einsatz umfassend genug?« Oder wenn wir in eine Phase im Leben kommen, wo wir selbst nichts mehr »tun« können, weil die Kräfte dem Ende entgegengehen. Auch und gerade dann gilt: Der Glaube genügt. Ganz und gar. Ohne Wenn und Aber. Ohne das eine oder andere, was ich noch oben drauf legen müsste.

Jesus Christus spricht: »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden […]« (Markus 16,16, Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)

Christoph Barnbrock


Entdecke mehr von Team Gott

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner