Silvester – Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Was war gut? Was war schlecht im zurückliegenden Jahr? Habe ich meine Ziele erreicht? Wo bin ich »baden« gegangen mit meinen Vorhaben?

Wenn wir so von »Bilanz« reden, tun wir es in einem umgangssprachlichen Sinn. Gemeint ist damit dann eher eine »Rückschau«, eine »beurteilende Bewertung« dessen, was gewesen ist. Und da kann ich dann die vermeintlichen oder echten »Erfolge« des vergangenen Jahres den echten oder vermeintlichen »Misserfolgen« gegenüberstellen und gucken, ob ich am Ende eher auf der Plusseite oder auf der Minusseite ankomme.

Inzwischen habe ich aber gelernt, dass eine »echte« Bilanz viel komplizierter ist. Da geht es nicht um eine einfache Einnahmen-/Ausgabenrechnung, wie wir sie vielleicht aus der Jugendarbeit oder aus Jahresabschlussrechnungen einer Gemeinde kennen. Sondern da gilt es dann zum Beispiel, Immobilien zu bewerten, Urheberrechte mit ins Spiel zu bringen und manches mehr. Mich bringt so etwas dann mindestens bis an die Grenzen dessen, was ich so ganz einfach nachvollziehen kann. Und ich verstehe immerhin, dass die Einnahmen und Ausgaben (oder wenn man es im übertragenen Sinn [wenn auch als etwas »hinkenden Vergleich«] verwenden will: die Erfolge und Misserfolge) nur ein Teil der Bilanz sind. Da gibt es manches, was mit dem täglichen und wöchentlichen Auf und Ab nichts zu tun hat und für die Bilanz trotzdem eine erhebliche Rolle spielt.

Vielleicht ist das auch eine heilsame Einsicht, dass ich mich am Jahresende nicht zu sehr auf die kleinen oder großen Erfolge oder Misserfolge konzentriere, die mich ärgern oder angesichts derer ich mich wie ein »toller Hecht« fühle. Sondern dass ich im Blick behalte, dass die Bilanz meines Lebens größer angelegt ist. Und da spielt dann eben nicht nur – und am Ende nicht einmal wesentlich – das eine Rolle, was ich so auf die eine oder andere Seite der Waagschale lege. Sondern entscheidend sind die Werte, die Gott selbst uns anvertraut hat: Seine Liebe, sein großes Herz für uns, seine Vergebung. Das sind die Werte, die für unsere Lebensbilanz vor allem von Bedeutung sind, damit ich am Ende des Jahres und am Ende des Lebens eine positive Bilanz ziehen kann.

»Ihr aber, meine Lieben, baut euer Leben auf eurem allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist und bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.« (Judas 20f., Lutherbibel 2017, © Dt. Bibelgesellschaft)

Christoph Barnbrock


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